Der Begriff "Balanced Scorecard" bedeutet dabei so viel wie "ausgewogener Bewertungsbogen". Ausgewogen deshalb, weil in die BSC nicht nur die Strategie des Unternehmens, sondern auch alle relevanten externen und internen Aspekte des Wertschöpfungsprozesses sowie deren Wechselwirkungen einfließen.
Anfang der 1990er Jahre führten Robert S. Kaplan (Professor of Accounting an der Harvard Business School) und David P. Norton (damals Präsident und Gründer einer internationalen Consulting Firma) ein Forschungsprojekt mit 12 US-amerikanischen Unternehmen durch. Ziel war es, die bis dahin vorherrschende Praxis der einseitigen Finanz- und Vergangenheitsorientierung von Kennzahlsystemen zu überwinden und eine umfassendere Betrachtungsweise zu entwickeln, mit der sich die finaziellen Erfolge eines Unternehmens auch langfristig für die Zukunft sicherstellen liessen. Als Ergebnis veröffentlichten Kaplan und Norton mehrere Artikel im Harvard Business Review, die schnell große Beachtung fanden. Durch die große Resonanz ermutigt, folgten bald weitere Bücher, die Methode wurde weiter entwickelt und standardisiert.
Inzwischen gehört die Balanced Scorecard zu den bekanntesten und bewährtesten Management-Techniken und zählt laut Harvard Business Review zu den einflussreichsten Management-Konzepten der letzten 75 Jahre.
Methoden für strategisch orientiertes Management gibt es viele, aber erst durch die Balanced Scorecard wird es möglich, die Strategie eines Unternehmens konkret im Unternehmensalltag umzusetzen und mittels Kennzahlen messbar und damit auch steuerbar zu machen.
Die Balanced Scorecard dient dabei als Bindeglied zwischen der Entwicklung und Weiterentwicklung der Unternehmensstrategie einerseits und ihrer Umsetzung im Unternehmensalltag andererseits.
Die BSC definiert also den Handlungsrahmen für die Entwicklung und Umsetzung der Strategie:
Die Entwicklung der Balanced Scorecard soll bei der Unternehmensführung zur Klärung und zum Konsens bezüglich der strategischen Ziele führen. Idealerweise werden bei der Formulierung der Strategie alle Organisationsbereiche beteiligt.
Für die Balanced Scorecard besonders wichtig sind dabei die Ursache-Wirkungsbeziehungen zwischen den einzelnen strategischen Zielen. Nur durch die Betrachtung der Kausalzusammenhänge und Abhängigkeiten ist es möglich, die wenigen entscheidenden Stellschrauben für den Unternehmemserfolg zu identifizieren und Zielkonflikte zu vermeiden .
Um ein ausgewogenes Bild zu erhalten, wird die Strategie in Themenbereiche untergliedert, die so genannten "Perspektiven", mit denen sich alle wesentlichen Einflussfaktoren für die Wertschöpfungskette abbilden lassen. Bewährt hat sich eine Unterteilung in die vier klassischen Perspektiven "Finanzen", "Kunden", "Prozesse" und "Potenziale und Infrastruktur". Aber natürlich sind auch weitere Perspektiven möglich, wie z.B. "Lieferanten", "Rohstoffe" oder "Politische Rahmenbedingungen".
Nachdem die Strategie auf der Ebene der Unternehmensführung formuliert ist, wird diese in allen Organisationsbereichen kommuniziert und "heruntergebrochen", das heißt: In den einzelnen Organisationsbereich im Rahmen von BSC-Workshops durch konkrete Ziele, Kennzahlen und Maßnahmen umgesetzt. Dadurch werden die Ziele der Handlungsträger im Unternehmen einheitlich an der Gesamtstrategie ausgerichtet. Die Umsetzung kann in jedem Organisationsbereich individuell erfolgen und mit konkreten Kennzahlen gemessen werden.
Als Ergebnis erhält jeder Organisationsbereich seine individuelle "Balanced Scorecard" für die Umsetzung der Strategie. Jeder Mitarbeitende ist über die strategischen Ziele informiert und kann mit Hilfe der Kennzahlen jederzeit den Grad der Umsetzung erkennen. Die Balanced Scorecard erzeugt auf diese Weise ein individuelles, unternehmensspezifisches Kennzahlsystem, das im Optimalfall alle relevanten Einfluss- und Steuerungsgrößen enthält.
Dabei geht es nicht darum, ein wirklichkeitsgetreues mathematisches Modell aller relevanten Geschäftsfaktoren zu schaffen. Dies wäre unflexibel und viel zu fehleranfällig, aufwändig und teuer.
Es geht auch nicht darum, Kennzahlen aus allen Organisationsbereichen bis zur Führungsebene zu aggregieren, denn in der Balanced Scorecard sind Kennzahlen aus verschiedenen Perspektiven enthalten. Der kausale Zusammenhang zwischen den verschiedenen Kennzahlen lässt sich in der Regel nicht linear abbilden. So stehen in einem klassischen Fertigungsbetrieb die Größen für Fertigungszeit, Ausstoß, Produktqualität und Kundenzufriedenheit sicherlich in einem Zusammenhang, dieser lässt sich jedoch nicht mit praktikablem Aufwand quantifizieren und jegliche Feststellungen wären ohnehin nur eine kurzzeitige Momentaufnahme.
Stattdessen geht es darum, das Unternehmen mit der Balanced Scorecard zu steuern: Die BSC ist kein Mess- sondern ein Führungsinstrument!
Die Balanced Scorecard ist nicht mit dem Kennzahlsystem gleichzusetzen, das durch Anwendung der BSC-Methode für das jeweilige Unternehmen aufgebaut wird. Sondern: Die Balanced Scorecard besteht vor allem aus den Management-Prozessen und Techniken, die eingesetzt werden, um dieses Kennzahlsystem aufzubauen, mit Leben zu füllen und weiter zu entwickeln.
Vom Wiegen allein wird das Vieh nicht fett
Wie schon oben erwähnt, bildet das strategische Maßnahmenmanagement einen wesentlichen Bestandteil der Balanced-Scorecard Methode: Um Reibungsverluste und Verschwendung von Ressourcen zu vermeiden, müssen die finanziellen, materiellen und personellen Ressourcen auf die Strategie des Unternehmens hin ausgerichtet werden.
Dies geschieht in vier Schritten:
Durch die Fokussierung auf die wenigen strategisch relevanten Maßnahmen und Projekte werden die zur Verfügung stehenden Mittel optimal verwendet und Verschwendung und Verzettelung vermieden.
Die Strategie und die konkrete Umsetzung der Strategie mit der Balanced Scorecard muss regelmäßig, mindestens einmal im Jahr, einer Neubetrachtung und Neubewertung unterzogen werden. Durch diesen Revisionsprozess kann die Strategie an aktuelle Entwicklungen angepasst werden und die Realitätstauglichkeit der Balanced Scorecard bleibt gewahrt.
Durch die Umsetzung der Strategie in jeder Organisationseinheit erfahren die Mitarbeitenden, welchen Beitrag sie innerhalb der Wertschöpfungskette zum Unternehmenserfolg leisten. Durch die Umsetzung mittels konkreter Kennzahlen und Zielvereinbarungen wird dieser Beitrag messbar und damit steuerbar gemacht.
Durch die regelmäßige Revision der Balanced Scorecard und die daraus resultierende Rückkopplung des Bereiches mit der Strategie findet zudem eine ständige Aktualisierung und Verbesserung der Strategieumsetzung statt.
Die Einführung der Balanced Scorecard hilft deshalb dabei, Mitarbeiter mit mehr Verantwortung auszustatten, damit diese ihre Arbeitsprozesse selbst steuern und ständig nach Verbesserungen streben können. Diese systematisch in den Arbeitsprozess integrierte Suche nach Verbesserungen fördert den Entwicklungsprozeß von Mitarbeitern und Teams: Aus dem Streben nach kontinuierlicher Verbesserung entspringt das Wollen, Fehler aufzuspüren, zum Thema zu machen und zu beseitigen.
Im Idealfall entsteht daraus ein unternehmensweiter Lernprozess, ein erster Schritt hin zum "Lernenden Unternehmen".
Es ist sehr schwierig, vor Beginn einem Balanced Scorecard-Projekt den quantitativen Nutzen für das Unternehmen in konkreten Beträgen abzuschätzen. Aufgrund der zahlreichen und langjährigen positiven Erfahrungen mit der Balanced Scorecard lassen sich jedoch die folgenden qualitativen Vorteile und Nutzenpotenziale feststellen:
Klassische Kennzahlsysteme legen den Schwerpunkt auf Kennzahlen aus dem finanziellen und Bilanz-Sektor innerhalb eines einheitlichen Betrachtungszeitraums. Sie sind in der Regel vergangenheitsorientiert und nicht auf die Unternehmensstrategie ausgerichtet.
Die Balanced Scorecard überwindet diese Beschränkungen:
Gerade mittelständische Unternehmen können besonders von der Einführung einer Balanced Scorecard profitieren:
Zusätzlich haben mittelständische Unternehmen bei der Einführung eines Balanced Scorecard Systems weitere Vorteile:
In den letzten Jahren wurde von einigen Softwareherstellern der Begriff "BSC light" verwendet, um eine Cockpit-Darstellung von herkömmlichen Kennzahlen in der besonderen Anordnung einer Balanced Scorecard zu bezeichnen.
Die Reduzierung der Balanced Scorecard auf lediglich eine besondere Art der Kennzahldarstellung wird jedoch der Methode in keinster Weise gerecht, insbesondere dann, wenn weder das Maßnahmenmanagement, noch die Ursache-Wirkungsbeziehungen, noch die von der Balanced Scorecard Collaborative geforderten erweiterten Kommentarfunktionen im System abgebildet werden.
Dafür den Begriff "BSC light" zu verwenden, ist etwa so, als würde man einen Apfel schälen, das Fruchtfleisch wegwerfen, nur die Schale essen und das Ganze dann als "Apfel light" bezeichnen.
Natürlich ist es möglich, die Vorteile der übersichtlichen Kennzahldarstellung, wie die BSC sie bietet, auch dann zu nutzen, wenn man die Balanced Scorecard Methodik nur in Teilbereichen einsetzt. Wir haben selbst auch einige Kunden, die nicht alle Funktionen der hyperspace Balanced Scorecard Software unternehmensweit einsetzen und sich vor allem auf die Darstellung der Kennzahlen fokussieren, obwohl durch die Ausschöpfung aller Programmfunktionen keine zusätzlichen Lizenzkosten entstehen würden.
Man verschenkt durch diese selbst auferlegte Beschränkung jedoch wesentliche Nutzeffekte der Balanced Scorecard, von denen man bei einer methodengerechten Implementierung der BSC im Unternehmen immens profitieren würde, insbesondere bei der Strategieumsetzung und der Ausrichtung von Maßnahmen und Projekten an den Unternehmenszielen.
Eine BSC ist primär kein Mess-, sondern ein Führungsinstrument! Die Balanced Scorecard ist nicht mit dem Kennzahlsystem gleichzusetzen, das durch Anwendung der BSC-Methode für das jeweilige Unternehmen aufgebaut wird. Sondern: Die Balanced Scorecard besteht darüber hinaus aus den Management-Prozessen und Techniken, die eingesetzt werden, um dieses Kennzahlsystem aufzubauen, mit Leben zu füllen und weiter zu entwickeln.
Insbesondere dem Maßnahmenmanagement kommt dabei eine wesentliche Bedeutung zu, denn "Vom Wiegen allein wird das Vieh nicht fett". Aber auch die Strategielandkarte ist wichtig, ebenso die Unterstützung der Zusammenarbeit und der Kommunikation der Akteuere, sowie wie das Teilen von Know-How und Dokumenten. Es gibt es nur wenige Software-Lösungen wie hyperspace, die neben der Kennzahldarstellung auch alle anderen Aspekte des Balanced Scorecard Konzeptes methodisch getreu abbilden können.